Vorsicht bei Motorrad-Probefahrt

Das Landgericht (LG) Coburg hat mit Urteil vom 29. April 2009 entschieden (Az.: 13 O 717/08), dass Motorradfahrer, die einem Kaufinteressenten ohne jegliche Sicherheitsmaßnahmen ihr Motorrad zu einer Probefahrt überlassen, keine Entschädigung durch den Teilkaskoversicherer erwartet können, wenn der vermeintliche Käufer das Bike entwendet. Im Rahmen des beabsichtigten Verkaufs seines gebrauchten Motorrads überließ der Kläger einem namentlich nicht bekannter Kaufinteressent das Bike nach einem kurzen Gespräch für eine Probefahrt. Dabei ließ sich der Kläger weder den Personalausweis oder Führerschein zeigen, noch bat er den vermeintlichen Käufer um die Hinterlegung von Sicherheiten. Diese Gutgläubigkeit nutzte der Kaufinteressent schamlos aus. Er fuhr mit dem Motorrad los und war von Stund an nicht mehr gesehen. Offenkundig um den Verkäufer zu verhöhnen, schickte der Dieb ihm zu allem Überfluss eine SMS in der er ihm mitteilte, dass er sein Motorrad als gestohlen betrachten könne.Ein weiteres Negativerlebnis hatte der Kläger, als er seinen Teilkaskoversicherer wegen des Diebstahls in Anspruch nehmen wollte. Dieser stellte sich auf den Standpunkt, dass es sich bei dem Vorfall um einen nicht versicherten Trickdiebstahl gehandelt hatte. Er warf dem Kläger im Übrigen vor, grob fahrlässig gehandelt zu haben und lehnte es ab, die von diesem geforderten 8.000 Euro zu zahlen. Zu Recht, meinten die Richter des Coburger LG– und wiesen die Klage des Versicherten als unbegründet zurück. Nach Ansicht der Richter ist es allgemein bekannt, dass Probefahrten häufig zu Betrügereien und Trickdiebstählen genutzt werden. Wer daher vor einer Probefahrt noch nicht einmal die Personalien des Kaufinteressenten feststellt, handelt grob fahrlässig. Das hat nach dem alten VVG zur Folge, dass sein Kaskoversicherer von jeglicher Leistungsverpflichtung befreit ist.Das Gericht ging auf die Frage, ob der Versicherer auch wegen Trickdiebstahls nicht hätte zahlen müssen, angesichts des grob fahrlässigen Verhaltens des Klägers nicht näher ein. Die Entscheidung ist inzwischen rechtskräftig.In einem vergleichbaren Fall, der im Juli letzten Jahres vom Oberlandesgericht Köln entschieden wurde, hatte ein bestohlener Motorradbesitzer mehr Glück. Obwohl auch dieser sich weder den Personalausweis noch den Führerschein des vermeintlichen Kaufinteressenten zeigen ließ, wurde sein Kaskoversicherer von dem Gericht zur Leistung verpflichtet. Allerdings hatte der Dieb in diesem Fall zur Sicherheit sein eigenes – wie sich später herausstellte jedoch praktisch wertloses – Motorrad hinterlassen.